Franz Beckenbauer


Franz Beckenbauer. Der Kaiser, die Lichtgestalt. Der bedeutendste deutsche Fußballer aller Zeiten. Der Erfinder des Liberos. Zu seiner größten Zeit in den frühen 1970ern auch international fast konkurrenzlos. Nur der große Johan Cruijff erreichte damals ein vergleichbares Niveau.
Franz Beckenbauer wollte als Jugendlicher eigentlich beim TSV München 1860 Karriere machen, landete aber 1959 als 13-Jähriger doch bei den noch unbedeutenden Bayern, für deren erste Mannschaft er erstmals in der Bundesliga-Aufstiegsrunde 1964 ein Pflichtspiel bestritt und beim Debüt (4:0 gegen den FC St. Pauli) prompt sein erstes Tor schoss. Beckenbauer spielte damals als Linksaußen, wurde aber schnell erst auf die linke Abwehrseite, dann ins defensive Mittelfeld verschoben. Auf dieser Position trat er bei der WM 1966 als 20-Jähriger gegen den damals wohl besten Mittelfeldspieler der Welt an: Bobby Charlton. Schon in diesen jungen Jahren war das technisch herausragende Bewegungstalent mit den starken Außenristpässen dank seiner Ausstrahlung der Chef auf dem Platz.
Bei der WM 1970 spielte Beckenbauer immer noch im Mittelfeld; nach dem Turnier aber löste er bei den Bayern Werner Olk (der in die Schweiz gewechselt war) als Abwehrchef ab und revolutionierte diese Rolle. Als weltweit erster Spitzenspieler im Abwehrzentrum trat Beckenbauer bei Ballbesitz wie ein Spielmacher auf.
Beckenbauers nationale Bilanz in dieser Rolle ist wegen der starken Konkurrenz aus Mönchengladbach noch einigermaßen überschaubar: Drei Meisterschaften (eine weitere hatte er vorher schon gewonnen), der letzte seiner vier Pokalsiege. International gewann Franz Beckenbauer mit den Bayern und der Nationalmannschaft alles: Dreimal hintereinander wurde er Europapokalsieger der Landesmeister, außerdem Weltpokalsieger, Europameister, Weltmeister, 1973 auch Rekordnationalspieler; erst zwei Jahrzehnte später wurde Beckenbauer von Lothar Matthäus überholt. Zum dritten und vierten Mal wurde der Libero der Bayern zum deutschen Fußballer des Jahres gewählt, zweimal zu Europas Fußballer des Jahres.
1977 wechselte Beckenbauer zu Cosmos New York in die US-Profiliga, wo er unter anderem zusammen mit Pelé drei weitere Landesmeisterschaften gewann. Bei seinem letzten deutschen Titel als Spieler war Beckenbauer allerdings nur noch eine Randfigur: Der Hamburger SV hatte den bereits 35-jährigen Libero durchaus noch mit sportlichen Ambitionen in die Bundesliga zurückgeholt, hatte aber nicht viel von seinem häufig verletzten prominenten Neuzugang.
Bereits ein Jahr nach seinem Karriereende wurde Beckenbauer (ohne eine Trainerlizenz zu besitzen) Verantwortlicher der DFB-Nationalmannschaft; Horst Köppel und später Holger Osiek waren unter dem Titel “Bundestrainer” nicht mehr als Co-Trainer des “Teamchefs” Beckenbauer, der die Mannschaft 1986 ins WM-Finale, 1988 ins EM-Halbfinale und 1990 schließlich zum dritten und bislang letzten WM-Titel führte. Nach Mario Zagallo (1958/62 und 1970) war Beckenbauer der Zweite, der als Spieler und als Trainer Weltmeister wurde.
Nach dem WM-Endspiel trat Beckenbauer als DFB-Teamchef zurück, war Cheftrainer und technischer Direktor bei Olympique Marseille, Vizepräsident und zweimal Interimscoach der Bayern, ab 1994 fünfzehn Jahre lang Präsident seines Vereins. Als Leiter des Bewerbungs- und später Organisationskomitees war Beckenbauer zudem eine Hauptfigur des Projekts, die WM 2006 nach Deutschland zu holen. Schließlich ist Beckenbauer DFB-Vizepräsident und Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees. Sein Sohn Stefan spielte kurzzeitig für den 1. FC Saarbrücken in der Bundesliga, konnte sich aber als Profi nicht durchsetzen.

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