Ewald Lienen

Ein engagierter, schneller Flügelspieler, anfangs bei Arminia Bielefeld tatsächlich ein Linksaußen, später eher ein Mittelfeldspieler, immer ein Spezialist für lange Läufe mit enger Ballführung, bei denen der Pendler zwischen der Arminia (1974-77, 1981-83) und Borussia Mönchengladbach (1977-81, 1983-87) schwer zu stoppen war. Oft kam Lienen auf diese Weise bis zum Tor durch. Der Bremer Verteidiger Norbert Siegmann hielt Lienen 1981 hingegen mit dem möglicherweise berüchtigsten und fürchterlichsten Foul der langen Bundesligageschichte auf, indem er mit den Stollen Lienens Oberschenkel weit aufschlitzte.
Der Großneffe des Nationalspielers Herbert Burdenski war selbst immer mal wieder ein Kandidat für die DFB-Auswahl, eingeladen wurde er jedoch nie. Vielleicht war Lienen dem Verband zu unbequem. Er war ein Spieler, der sich enorm für soziale Belange einsetzte, der immer das Geschäft anprangerte, das um den Fußball entstanden war, der sich extrem gegen Starkult wehrte und nicht als Profi vermarktet werden wollte. Eine Zeit lang schrieb Lienen nicht einmal Autogramme – wer ein Kärtchen mit seiner Unterschrift hat, sollte annehmen, dass die von einem seiner Mitspieler stammt.
In den 1980ern engangierte sich Lienen in der Friedensbewegung. 1985 kandidierte der Gladbacher Profi bei der nordrhein-westfälischen Landtagswahl für die Friedensliste. 1987, kurz vor seinem Wechsel zum Oberligisten MSV Duisburg, mit dem er 1991 in die Bundesliga aufstieg, gründete Lienen mit Kollegen die Spielergewerkschaft VdV. “Jeder hat seine politiche Einstellung”, sagte Lienen Jahre später, “ich habe sie immer noch. Ich gehe aber damit nicht mehr hausieren.” Es war ein schwerer Schlag für Lienens Ruf, dass auch er auf das Bauherrenmodell hereinfiel, das in den 1980ern so viele Fußballprofis wirtschaftlich ruinierte.
Als Trainer verpaste der Ostwestfale den ganz großen Durchbruch. Er machte sich aber einen Namen als sehr solider Fachmann, der seine Mannschaften (Duisburg, Rostock, Köln, Teneriffa, Gladbach, Hannover, Panionios Athen, München 1860, kurzzeitig Olympiakos Piräus, Bielefeld) nicht nur kämpfen, sondern auch Fußball spielen lässt. Als einer der ersten Trainer, die mit Brille und Block im Spiel permanent Notizen machen, bekam Lienen den Spitznamen “Zettel-Ewald” verpasst. Sein Co-Trainer Abder Ramdane, ein Spieler aus gemeinsamen Rostocker Jahren, ist auch sein Schwiegersohn.

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